<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	 xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" >

<channel>
	<title>Mein Leben &#8211; Hoffmann von Fallersleben</title>
	<atom:link href="https://von-fallersleben.de/medien/meinleben/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://von-fallersleben.de</link>
	<description>Leben und Werk</description>
	<lastBuildDate>Fri, 26 Jul 2024 03:40:10 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.7.1</generator>
	<item>
		<title>Onkel heiratet Nichte</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/onkel-heiratet-nichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Oct 1849 22:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/onkel-heiratet-nichte/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Auf diese erquickliche Poesie folgte nun eine sehr unerquickliche Prosa. Um allen gesetzlichen Bestimmungen in Betreff meiner Heirat zu genügen, mußte ich mich unterziehen allerlei Schreibereien, Reisen, Besuchen und Verhandlungen. Da meine Braut als Braunschweigerin betrachtet wurde, und auf sie die braunschweigischen Gesetze Anwendung fanden, so war ein Haupthindernis beseitigt, nämlich daß der Oheim nicht ... <a title="Onkel heiratet Nichte" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/onkel-heiratet-nichte/" aria-label="Mehr Informationen über Onkel heiratet Nichte"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/onkel-heiratet-nichte/">Onkel heiratet Nichte</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auf diese erquickliche Poesie folgte nun eine sehr unerquickliche Prosa. Um allen gesetzlichen Bestimmungen in Betreff meiner Heirat zu gen&uuml;gen, mu&szlig;te ich mich unterziehen allerlei Schreibereien, Reisen, Besuchen und Verhandlungen. Da meine Braut als Braunschweigerin betrachtet wurde, und auf sie die braunschweigischen Gesetze Anwendung fanden, so war ein Haupthindernis beseitigt, n&auml;mlich da&szlig; der Oheim nicht seine Nichte heiraten darf. Nach vielen Wochen Hin- und Herschreibens und Reisens zwischen Braunschweig, Hannover und Bothfeld hatte ich denn endlich eine ganze Sammlung von Scheinen herbeigeschafft, theils f&uuml;r mich, theils f&uuml;r meine Braut, als da waren: Geburts- und Confirmationsschein, Heimatsschein, Aufgebotsschein von Waldalgesheim, elterlicher Zustimmungsschein, Heiratsconsens vom Minister von Ladenberg, und braunschweigischer Magistrats-Erlaubnisschein zur Trauung. Endlich mu&szlig;te ich auch um Dispens vom kirchlichen Aufgebote einkommen.</p>
<p>Den 26. October gingen Ida und ihre Schwester Adele nach Braunschweig, um noch Vorbereitungen zur Trauung zu treffen. Den andern Tag folgte ich nach.</p>
<p>Am 28. October fuhren wir um 11 Uhr in die Martinikirche. Pastor Adolf Kl&uuml;gel hielt die Traurede. Er hatte zum Texte genommen Ruth 1, 16: &bdquo;Wo du hingehest, da will auch ich hingehen; wo du bleibest, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.&ldquo; Er sprach sehr sch&ouml;n, er wu&szlig;te durch die Beziehungen auf mein Leben, die freilich sehr nahe lagen, aller Herzen zu r&uuml;hren. In feierlicher und bewegter Stimmung endete f&uuml;r uns die heilige Handlung.</p>
<p>Frau Sturtevant, Idas m&uuml;tterliche Freundin, empfing uns dann zum Hochzeitsmale, wozu sie noch Georg Fein nebst Frau eingeladen hatte. Wir waren sehr heiter. Zweimal trug ich das Abschiedslied an Frau Sturtevant vor.</p>
<p>Unter den Gl&uuml;ckw&uuml;nschen der Hochzeitsg&auml;ste nahmen wir Abschied und fuhren auf der Eisenbahn nach Hannover, wo ein Wagen bereit stand, der uns noch denselben Abend nach Bothfeld brachte. Frohe Herzen empfingen uns in dem festlich geschm&uuml;ckten Hause.<br>
Mecklenburg</p>
<p>Das Wetter war f&uuml;r die Jahreszeit noch recht sch&ouml;n, und so beschlossen wir denn eine Reise nach Mecklenburg zu meinen Freunden. Ida war ganz entz&uuml;ckt und ger&uuml;hrt &uuml;ber die freundliche Aufnahme, die wir dort &uuml;berall fanden. Sie gewann sich aller Herzen durch ihr offenes, anspruchloses und heiteres Wesen und wu&szlig;te dadurch und durch ihr Klavierspiel die Stimmung der Gesellschaft zu beleben und zu erheitern.</p>
<h2>Hamburg</h2>
<p>Am 19. November in Hamburg. Wir wohnten im Alsterhotel. Obschon es recht unfreundliches Wetter war, so wanderten wir doch viel umher, besahen den Hafen, besuchten meinen Vetter F. Wiede in St. Paul und spazierten um das Alsterbecken. Das Leben und Weben einer Seestadt war neu f&uuml;r Ida und der wundervolle Anblick der Stadt, die sich in der Binnenalster spiegelt, machte einen gewaltigen Eindruck auf sie. Den andern Tag holte uns der Vetter ab. Wir besahen den Jungfernstieg, die B&ouml;rse, fuhren durch den Hafen und speisten zu Mittag im Elbpavillon. Den dritten Tag waren wir wieder in Bothfeld.</p>
<p>in: Mein Leben &ndash;</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/onkel-heiratet-nichte/">Onkel heiratet Nichte</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Vater als Bürgermeister</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/der-vater-als-buergermeister/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Feb 1808 18:29:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/der-vater-als-buergermeister/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Auch das neue Jahr 1808 brachte uns keine Gewißheit über unser Schicksal, ob wir noch länger französisch bleiben oder nächstens dem neuen Königreich Westfalen einverleibt werden sollten. Vorläufig schien es, als ob wir für die Zwecke des Kaisers noch nicht genug ausgebeutet wären: Kriegssteuern und Einquartierungen dauerten fort. Im Februar rückten zwei Schwadronen Cürassiere ein ... <a title="Der Vater als Bürgermeister" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/der-vater-als-buergermeister/" aria-label="Mehr Informationen über Der Vater als Bürgermeister"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/der-vater-als-buergermeister/">Der Vater als Bürgermeister</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch das neue Jahr 1808 brachte uns keine Gewi&szlig;heit &uuml;ber unser Schicksal, ob wir noch l&auml;nger franz&ouml;sisch bleiben oder n&auml;chstens dem neuen K&ouml;nigreich Westfalen einverleibt werden sollten. Vorl&auml;ufig schien es, als ob wir f&uuml;r die Zwecke des Kaisers noch nicht genug ausgebeutet w&auml;ren: Kriegssteuern und Einquartierungen dauerten fort.</p>
<p>Im Februar r&uuml;ckten zwei Schwadronen C&uuml;rassiere ein vom 11. Regimente und nahmen auf l&auml;ngere Zeit Standquartier. Trotzdem da&szlig; niemand von ihnen deutsch verstand, so gestaltete sich doch bald ein traulicher Verkehr zwischen Soldat und B&uuml;rger. Wenn es Streitigkeiten gab, so machte mein Vater mit H&uuml;lfe meines Bruders den gl&uuml;cklichen Schlichter. Meinem Bruder fiel der gr&ouml;&szlig;te Theil der B&uuml;rgermeistereigesch&auml;fte zu; er war sehr gesch&auml;ftsgewandt und der einzige der des Franz&ouml;sischen m&auml;chtig. Jung und lebenslustig wie die Officiere wurde er bald ihr Freund und durfte bei ihren Zusammenk&uuml;nften nie fehlen. Ich erinnere mich noch, wie er mit ihnen kegelte, mit ihnen trank und sang, scherzte und lachte.</p>
<p>Die Gemeinen hielten unter einander gute Kameradschaft. Selbst bei ihren Trinkgelagen ging es heiter und friedlich zu. Wer singen konnte, sang, die auderen h&ouml;rten mit Wohlgefallen zu, dann stimmten auch wol mal alle einen Rundgesang an: &bdquo;Battons le fer, tandis qu&acute;il est rouge Battons le fer, tandis qu&acute;il est chaud! Haut le marteau! bas le marteau!&ldquo;&nbsp;Sie hielten das Glas hoch empor, senkten es dann und tranken es schlie&szlig;lich aus.</p>
<p>Ihnen gegen&uuml;ber erfreuete sich Monsieur le bourguemestre, mein Vater, eines hohen Ansehens, weil er sich vor niemandem f&uuml;rchtete, und im Bewu&szlig;tsein, nur das Rechte zu wollen, sich auch vor niemandem zu f&uuml;rchten brauchte. Schon seine stattliche Gestalt, seine K&ouml;rperst&auml;rke und Gewandtheit, mehr aber noch seine ganze Art und Weise, wie er auftrat, waren achtunggebietend. Kein anderer h&auml;tte das wagen d&uuml;rfen was er wagte. Eines Tages sahen wir zwei C&uuml;rassiere mit ihren langen Degen unter dem Arme in einen Garten laufen. Wir blieben von ferne stehen. Sie zogen sich aus bis auf die Unterkleider und wollten eben mit einander duellieren. Da kam mein Vater, der von der Geschichte benachrichtigt war, eilig dazu, suchte sie zu beschwichtigen, und als das nicht gelingen wollte, wand er ihnen die Degen aus den H&auml;nden. Sie lie&szlig;en sich das ruhig gefallen, mein Vater gab ihnen die Waffen zur&uuml;ck, und der Kampf war vorl&auml;ufig beendet.</p>
<p class="notes" align="justify"><em>in Mein Leben , S. 19f</em></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/der-vater-als-buergermeister/">Der Vater als Bürgermeister</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was wir damals sangen</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/was-wir-damals-sangen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Feb 1808 18:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/was-wir-damals-sangen/</guid>

					<description><![CDATA[<p>So ernst die Weltlage, so traurig die staatlichen Verhältnisse, so drückend fortwährend die Abgaben waren, die deutsche Gemüthlichkeit feierte doch nicht länger und wußte sich endlich wieder geltend zu machen, freilich mit einem starken Anfluge französischer Leichtfertigkeit. Wie man dachte und fühlte, sprach sich in allen Vergnügungen aus: bonne mine à mauvais jeu wurde der ... <a title="Was wir damals sangen" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/was-wir-damals-sangen/" aria-label="Mehr Informationen über Was wir damals sangen"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/was-wir-damals-sangen/">Was wir damals sangen</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>So ernst die Weltlage, so traurig die staatlichen Verh&auml;ltnisse, so dr&uuml;ckend fortw&auml;hrend die Abgaben waren, die deutsche Gem&uuml;thlichkeit feierte doch nicht l&auml;nger und wu&szlig;te sich endlich wieder geltend zu machen, freilich mit einem starken Anfluge franz&ouml;sischer Leichtfertigkeit. Wie man dachte und f&uuml;hlte, sprach sich in allen Vergn&uuml;gungen aus: bonne mine &agrave; mauvais jeu wurde der leitende Grundsatz. Damit stimmten denn auch die Gesellschaftslieder, welche man zu singen pflegte, wenn man lustig wurde:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/kann-nicht-immer-so-bleiben/" target="_blank" rel="noopener">Es kann ja nicht immer so bleiben hier unter dem wechselnden Mond</a> &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/freut-euch-des-lebens/" target="_blank" rel="noopener">Freut euch des Lebens weil noch das L&auml;mpchen gl&uuml;ht</a>! &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/wir-sind-die-koenige-der-welt/" target="_blank" rel="noopener">Wir sind die K&ouml;nige der Welt</a>! &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/dem-teufel-verschreib-ich-mich-nicht/" target="_blank" rel="noopener">Dem Teufel verschreib ich mich nicht</a></li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/hoert-zu-ich-will-euch-weisheit-singen-trinkt-wein/" target="_blank" rel="noopener">H&ouml;rt zu, ich will euch Weisheit singen</a>! &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/schoen-wie-florens-grazien/" target="_blank" rel="noopener">Sch&ouml;n wie Florens Grazien</a></li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/als-ich-noch-im-fluegelkleide-lina/" target="_blank" rel="noopener">Als ich noch im Fl&uuml;gelkleide in die M&auml;dchenschule ging</a> &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/es-hat-die-schoepferin-der-liebe-maedchenwahl/" target="_blank" rel="noopener">Es hat die Sch&ouml;pferin der Liebe zur Lust die M&auml;dchen aufgestellt</a> &ndash;</li>
</ul>
<p>Selten h&ouml;rte man Abends im Freien noch bei der Arbeit oder in den Spinnstuben ein wehm&uuml;thiges Lied:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/noch-einmal-robert-eh-wir-scheiden/" target="_blank" rel="noopener">Noch einmal, Robert, eh&lsquo; wir scheiden</a> &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/hier-ruhst-du-karl-lotte-auf-karls-grabe/" target="_blank" rel="noopener">Hier ruhst du, Karl</a></li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/willkommen-o-seliger-abend/" target="_blank" rel="noopener">Willkommen, o seliger Abend</a>! &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/guter-mond-du-gehst-so-stille/" target="_blank" rel="noopener">Guter Mond, du gehst so stille</a>! &ndash;</li>
<li><a href="http://www.volksliederarchiv.de/weine-nicht-es-ist-vergebens/" target="_blank" rel="noopener">Weine nicht, es ist vergebens</a>! &ndash;</li>
</ul>
<p>Unsere W&auml;scherinnen pflegten gew&ouml;hnlich schon fr&uuml;h Morgens anzustimmen:</p>
<ul>
<li>La&szlig;t euch einmal einen Spa&szlig; erz&auml;hlen! &ndash;</li>
<li>In des Waldes tiefsten Gr&uuml;nden! &ndash;</li>
<li>Heinrich schlief bei seiner Neuverm&auml;hlten &ndash;</li>
</ul>
<p>Die meisten dieser Melodien sangen wir den Alten nach, wu&szlig;ten freilich oft vom Texte nur selten mehr als die erste Strophe. Dagegen sangen wir bei unseren Spielen und M&auml;rschen:</p>
<ul>
<li>Ein freies Leben f&uuml;hren wir &ndash;</li>
<li>Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd! &ndash;</li>
<li>Frisch auf, zum fr&ouml;hlichen Jagen! &ndash;</li>
</ul>
<p>Alle diese Lieder stammten aus einer fr&uuml;heren Zeit, waren aber recht zeitgem&auml;&szlig; geworden; dagegen waren neue entstanden, die der Gef&uuml;hlsrichtung der Gegenwart noch mehr entsprachen und deshalb in anst&auml;ndigen Gesellschaften beliebt waren und oft und gern gesungen wurden. So die beiden Lieder:</p>
<ul>
<li>Die Welt ist nichts als ein Orchester &ndash;</li>
<li>Freunde, la&szlig;t uns nicht so th&ouml;richt sein das Leben im Galopp hindurch zu fliegen.</li>
</ul>
<p>Solchen Liedern konnte keine Censur etwas anhaben, noch weniger aber jenen Liedern, welche &rsaquo;Gedruckt in diesem Jahr&lsaquo; zu den Drehorgeln gesungen wurden:</p>
<ul>
<li>Unter den Akazien wandeln gern die Grazien &ndash;</li>
<li>Ik bin ein Franzose, Mesdames</li>
<li>Ich liebe das Incognito hat man in dem Kopf kein Stroh, kann man vieles sehen. (Jede Strophe schlo&szlig; mit dem wiederholten: Aber nur incognito!)</li>
</ul>
<p>Solche Leichtfertigkeit ward damals gedichtet und gesungen und fand ein dankbares Publicum. Eine sch&ouml;nere Erinnerung ist es f&uuml;r mich, wenn die Sch&uuml;ler ihren Neujahrsumgang hielten. Sie sangen jedem Hauswirth und Hausgenossen ein Lied und bekamen dann in die eine B&uuml;chse eine Gabe f&uuml;r den Rector, in die andere eine f&uuml;r sich. Bei uns mu&szlig;ten sie sich einfinden, wenn wir uns eben zu Tische gesetzt hatten, und jedesmal singen meines Vaters beide Lieblingslieder:</p>
<ul>
<li>Gesund und frohes Muthes genie&szlig;en wir des Gutes, das uns der gro&szlig;e Vater schenkt &ndash;</li>
<li>Hoffnung, Hoffnung, immer gr&uuml;n!</li>
</ul>
<p>So war denn das Jahr 1809 herangekommen. Die gesellige Fr&ouml;hlichkeit verstummte allm&auml;hlich, die Tagesbegebenheiten besch&auml;ftigten wieder alle Gem&uuml;ther. In unserm Hause wurde wieder viel politisiert, ich mu&szlig;te die Zeitungen vorlesen und auf der Landkarte den Kriegsschauplatz aufsuchen. Der Krieg in Spanien gewann immer gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung; der Name Saragossa erf&uuml;llte uns mit Begeisterung; aber mit Wehmuth vernahmen wir, da&szlig; auf der Halbinsel Deutsche gegen Deutsche fechten mu&szlig;ten. Der Marsch nach Spanien galt f&uuml;r den sicheren Weg ins offene Grab. Wie viele Westfalen gingen hin, wie wenige kehrten heim. Ein Bauerjunge nahm sich ein Taschentuch voll Erde mit, um noch eine Nacht auf dem Boden leiner Heimat zu schlafen. Manche Mutter starb vor Gram &uuml;ber den Verlust ihres Sohnes, manche Braut vertrauerte ihr Leben. Herzzerrei&szlig;end war der Gesang, wenn die Soldaten beim Ausmarsch anstimmten: Ach du Deutschland, ich mu&szlig; marschieren, ach du Deutschland, lebe wohl!</p>
<p>in: Mein Leben (S. 19f)</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/was-wir-damals-sangen/">Was wir damals sangen</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schillers Räuber</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/schillers-raeuber/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 1807 18:16:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/schillers-raeuber/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mit dem Beginne des Jahres 1807 hatte die Aufregung der Gemüther ziemlich nachgelassen. Es wurde zwar noch viel in unserem Hause politisiert, man beschäftigte sich aber mehr mit den großen Kriegsereignissen der letzten Monate als mit denen die noch kommen könnten; niemand dachte mehr an einen Sieg der Preußen und ihrer Verbündeten, der Russen, niemand ... <a title="Schillers Räuber" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/schillers-raeuber/" aria-label="Mehr Informationen über Schillers Räuber"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/schillers-raeuber/">Schillers Räuber</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Beginne des Jahres 1807 hatte die Aufregung der Gem&uuml;ther ziemlich nachgelassen. Es wurde zwar noch viel in unserem Hause politisiert, man besch&auml;ftigte sich aber mehr mit den gro&szlig;en Kriegsereignissen der letzten Monate als mit denen die noch kommen k&ouml;nnten; niemand dachte mehr an einen Sieg der Preu&szlig;en und ihrer Verb&uuml;ndeten, der Russen, niemand hegte die Hoffnung, da&szlig; wir so bald von der Franzosenherrschaft erl&ouml;st werden w&uuml;rden. Der Friede von Tilsit lie&szlig; voraussehen, da&szlig; auch wir von den Folgen desselben nicht unber&uuml;hrt bleiben w&uuml;rden. Schon im August wurde der s&uuml;dliche Theil des Kurstaates dem neuen K&ouml;nigreich Westfalen einverleibt. Wir blieben vorl&auml;ufig noch unter franz&ouml;sischer Botm&auml;&szlig;igkeit.</p>
<p>In der Kinderwelt ward es lebendiger als fr&uuml;her. Wir sannen immer auf neue Kurzweil und Narrenspossen. So pflegten wir uns in den Winterabenden zu verkleiden und dann auf den Kirchhofsgr&auml;bern umherzuwandeln. Einer mu&szlig;te den Geist machen, vor dem wir anderen erschraken und flohen. Dieser Geist hatte sich in einen alten wei&szlig;en Pudermantel geh&uuml;llt und konnte nur langsam fortschreiten. Zuweilen legten wir ihm dicke Steine auf die Schleppe, ohne da&szlig; er es merkte, so da&szlig; ihm dann selbst bange wurde, als ob ein Geist aus dem Grabe ihn fest hielte.</p>
<h3 align="justify">Schillers R&auml;uber</h3>
<p>Zu Ende des Jahres entstand in unserm kleinen Orte ein recht reges Leben. Mehrere junge Leute waren von der Universit&auml;t zur&uuml;ckgekehrt, alle recht gesellig und lebenslustig; ihnen schlossen sich andere gleichgesinnte, wie mein Bruder, an. Es wurde das alte flotte Burschenleben neu wieder aufgelegt, es wurde gespielt und commersiert. Endlich kam man auf den Gedanken, Schiller&acute;s R&auml;uber aufzuf&uuml;hren. Die Rollen wurden ausgeschrieben und passend vertheilt, Proben abgehalten und es erfolgte nach kurzem Zwischenraume eine zweimalige &ouml;ffentliche Auff&uuml;hrung unter dem freudigsten Beifalle der Zuschauer. Ich war jedesmal zugegen und bin mir noch heute des gewaltigen Eindrucks bewu&szlig;t, den das St&uuml;ck auf mich machte. Ich las es sp&auml;ter selbst in dem Exemplare, wonach es gegeben wurde; es war die erste Mannheimer Ausgabe von 1781. Ich wu&szlig;te bald ganze Scenen auswendig.<br>
Die jungen Schauspieler, von Haus aus lauter prosaische Naturen, waren durch diese Kunst&uuml;bungen zu neuen Menschen geworden, sie bewegten sich von jetzt an in freieren geselligen Formen und hatten einen gewissen poetischen Anstrich bekommen. Die Art und Weise ihres Verkehrs in der Gesellschaft blieb nicht ohne Einflu&szlig; auf uns Kinder; wir nahmen manche Redensarten und Manieren dieser erwachsenen Jugend an und waren seitdem f&uuml;r alle Freiheitsideen empf&auml;nglicher.<br>
Um diese Zeit pflegte ich gern Gedichte zu lesen, auch wol mit lauter Stimme herzusagen. Zuweilen wenn ich ganz allein im Zimmer war, band ich mir ein Tuch um den Leib, setzte mir einen Hut auf, stellte mich auf den Tisch und declamierte feierlich: &bdquo;Begraben will ich C&auml;sar, nicht ihn loben&ldquo; etc. &ndash; Ohne mich weiter mit Poesie zu befassen, schrieb ich eines Tages mit rother Tinte, blo&szlig; aus Narrenspossen, zum 2. April in &bdquo;von Bogatzky, G&uuml;ldenes Schatzk&auml;stlein der Kinder Gottes f&uuml;r jeden Tag&ldquo;:<br>
Am 2. Aprilis ist geboren Unser Heinerich August Und zu hoher Sangeslust Von den G&ouml;ttern auserkoren</p>
<div id="notes">
<p class="notes" align="justify">in: Mein Leben , S. 16f</p>
</div>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/schillers-raeuber/">Schillers Räuber</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bürgerschule und Privatunterricht</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/buergerschule-und-privatunterricht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 May 1806 18:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/buergerschule-und-privatunterricht/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach Jahr und Tag muß ich wohl so weit gediehen sein, daß ich die Bürgerschule besuchen konnte. Ich erinnere mich wenigstens noch, daß eines Tags der ehrwürdige Superintendent Ziegler uns besuchte und tüchtig abkanzelte: ›Ihr Heiden, ihr Hottentotten –‹ begann er seine Anrede. Dann kam er zu mir, legte seine Hand sanft auf meinen Kopf ... <a title="Bürgerschule und Privatunterricht" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/buergerschule-und-privatunterricht/" aria-label="Mehr Informationen über Bürgerschule und Privatunterricht"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/buergerschule-und-privatunterricht/">Bürgerschule und Privatunterricht</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach Jahr und Tag mu&szlig; ich wohl so weit gediehen sein, da&szlig; ich die B&uuml;rgerschule besuchen konnte. Ich erinnere mich wenigstens noch, da&szlig; eines Tags der ehrw&uuml;rdige Superintendent Ziegler uns besuchte und t&uuml;chtig abkanzelte: &rsaquo;Ihr Heiden, ihr Hottentotten &ndash;&lsaquo; begann er seine Anrede. Dann kam er zu mir, legte seine Hand sanft auf meinen Kopf und sprach: &rsaquo;Du mein Kind bist artig und flei&szlig;ig.&lsaquo; &ndash;</p>
<p>Der Unterricht in dieser zweiten Abtheilung der B&uuml;rgerschule war sehr d&uuml;rftig. Meine Eltern und mehrere Familien wollten deshalb ihren Kindern einen besseren geben lassen. Sie einigten sich und fanden in dem Herrn Stolberg einen passenden Lehrer. Es wurde ihm ein Gehalt festgesetzt, eine Wohnung gemiethet und etwa unser acht wurden seine Sch&uuml;ler. So bekamen wir denn zum Lehrer einen Gelehrten, der eben nicht zu viel gelernt hatte und vor der Candidatur des Predigtamtes stehen geblieben war.</p>
<p>Obschon diese Schule von kurzer Dauer war, so hatte sie auf mich doch vortheilhaft gewirkt; ich wurde mit manchen Dingen bekannt, von denen ich fr&uuml;her keine Ahndung hatte: ich erfuhr etwas von den Naturreichen und der L&auml;nder- und V&ouml;lkerkunde, und machte den Anfang mit dem Franz&ouml;sischen. Nachdem das Verh&auml;ltni&szlig; mit Stolberg gel&ouml;st war, besuchte ich wieder die B&uuml;rgerschule, nebenbei aber ging ich w&ouml;chentlich mehrere Stunden zum Schreiben und Rechnen bei Herrn Harms.</p>
<p>Unser Nachbar Harms, ein Kaufmann, der seinen Handel hatte aufgeben m&uuml;ssen, war Schreiblehrer geworden. Er schrieb eine h&uuml;bsche Hand und ertheilte guten Unterricht im Schreiben und Rechnen. Er war mit mir recht zufrieden und ich schrieb seine Vorschriften ziemlich gut nach, aber, aber den krummen Finger beim Schreiben konnte er mir nicht abgew&ouml;hnen und ich habe ihn mein ganzes Leben behalten. Im Rechnen hatte ich es ziemlich weit gebracht, setzte es leider sp&auml;ter nicht fort. H&auml;tte ich nur behalten was ich damals konnte, &ndash; ich hatte den alten Hemeling bis &uuml;ber die Mitte durchgerechnet! &ndash; es w&auml;re mir in manchen Lagen des Lebens von gro&szlig;em Vortheile gewesen.</p>
<p><span lang="DE">F&uuml;r Musik hatte ich viel Sinn, vielleicht auch Anlage, aber keine Gelegenheit, Singen und Spielen zu lernen. Ich freuete mich an Musik und Gesang, und was ich singen h&ouml;rte, wu&szlig;te ich schnell auswendig und sang es nach. Ich machte mir selbst musicalische Instrumente, &uuml;berzog Schachteldeckel mit Drahtsaiten, suchte aus ungleichen Rohrstangen eine Papagenopfeife zusammenzuf&uuml;gen und aus Wallnu&szlig;schalen kleine Klappern zu bereiten. Unser oberster Boden war die eigentliche Polterkammer. Unter allerlei Ger&uuml;mpel befand sich dort eine alte Drehorgel. </span></p>
<p><span lang="DE">Manche Stunde spielte ich mir hier alle St&uuml;cke nach einander vor und oft mehrmals. Der Gesang in der Schule beschr&auml;nkte sich meist auf Kirchenlieder. Jeder sang, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Als ich sp&auml;ter mit zu den Neujahrss&auml;ngern geh&ouml;ren sollte, handelte es sich nur um zweistimmigen Gesang, oder um &rsaquo;grob und fein&lsaquo;, wie wir es bequemer nannten. Wer ein gutes Geh&ouml;r und eine gute Stimme hatte, gen&uuml;gte vollkommen den m&auml;&szlig;igen Anfoderungen.</span></p>
<p><span lang="DE">Zum Zeichnen hatte ich gro&szlig;e Lust, aber es fehlte mir auch dazu an Anweisung. Ich begn&uuml;gte mich, H&auml;user und B&auml;ume aus dem Kopfe zu zeichnen oder nach Bilderbogen und sie nachher auszumalen. Um ein ziemlich treues Bild zu erlangen, hielt ich an eine Glasscheibe das Original mit dar&uuml;ber gelegtem feinen Papiere und zog nun darauf mit einem Bleistift die Umrisse nach und malte diese dann aus. Da sich aber so etwas nur bei Tage veranstalten lie&szlig; und die Winterabende sehr lang waren, so machten wir uns Papier mit Fett und Kienru&szlig; schwarz, legten dies mit der schwarzen Seite auf wei&szlig;es Papier und oben drauf das Original, das dann durchgezeichnet wurde. So gab es denn Tag- und Nachtbilder. </span></p>
<p><span lang="DE"><span lang="DE">So erg&ouml;tzlich diese Besch&auml;ftigung und jedesmal mit jedem neuen Tuschkasten gar eifrig unternommen wurde, so hielt sie doch nicht lange an, wir kehrten immer wieder zu unseren alten lieb gewordenen Bilderb&uuml;chern zur&uuml;ck. Daneben mu&szlig;te der alte Guckkasten uns noch manche Stunde ausf&uuml;llen. Er enthielt einige alte Ansichten von Versailles, tapetenartig gemalt. Sie machten sich aber gar h&uuml;bsch, wenn sie hinten mit zwei Lichtern beleuchtet wurden. Da&szlig; aber dieser Kasten noch zu etwas anderem dienen k&ouml;nnte, ahndeten wir nicht. </span></span></p>
<p><span lang="DE"><span lang="DE">Sp&auml;ter machten wir eine Camera obscura daraus, stellten ihn mitten in den Garten zu Ende des langen Ganges, gerade dem Kirchthurme gegen&uuml;ber. Da sahen wir denn zu unserer gro&szlig;en Freude eine liebliche Landschaft auf das wei&szlig;e Papier hingezaubert mit allen Blumen und B&auml;umen, von bunten Schmetterlingen und V&ouml;geln durchflogen. Bei jeder anderen Stellung des Kastens gewannen wir nat&uuml;rlich immer ein anderes Bild. Mancher heitere Sommertag lud uns zu dieser m&uuml;helosen und genu&szlig;reichen Landschaftsmalerei ein. </span></span></p>
<p><em>in Mein Leben Band 1 S. 10 f</em></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/buergerschule-und-privatunterricht/">Bürgerschule und Privatunterricht</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Franzosenzeit (Mein Leben)</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/franzosenzeit-mein-leben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Feb 1806 18:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/franzosenzeit-mein-leben/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wir in unserem entlegenen Winkel erfuhren nur wenig von diesem großen Ereignisse. Die Landeshoheits- und Grenzpfähle mit dem preußischen Adler erinnerten uns jedoch bald, daß wir nicht mehr königlich großbritannisch-hannoverisch waren. Die Stimmung war sehr gegen den neuen Landesherren und hie und da hörte man viel vom preußischen Pfiff und preußischen Kuckuck. Man fürchtete eine ... <a title="Franzosenzeit (Mein Leben)" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/franzosenzeit-mein-leben/" aria-label="Mehr Informationen über Franzosenzeit (Mein Leben)"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/franzosenzeit-mein-leben/">Franzosenzeit (Mein Leben)</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir in unserem entlegenen Winkel erfuhren nur wenig von diesem gro&szlig;en Ereignisse. Die Landeshoheits- und Grenzpf&auml;hle mit dem preu&szlig;ischen Adler erinnerten uns jedoch bald, da&szlig; wir nicht mehr k&ouml;niglich gro&szlig;britannisch-hannoverisch waren. Die Stimmung war sehr gegen den neuen Landesherren und hie und da h&ouml;rte man viel vom preu&szlig;ischen Pfiff und preu&szlig;ischen Kuckuck. Man f&uuml;rchtete eine gr&ouml;&szlig;ere Steuerlast. Mit Wohlgefallen erz&auml;hlte man sich, ein Bauer habe vor einem Pfahle, woran der Adler, gestanden, diesen immer angesehen und sich die Taschen zugehalten. Endlich sei die Wache gekommen und habe gefragt, warum er doch immer den Adler so ansehe? &bdquo;Ik mach mik dreien wohen ik wil, hei kickt mik immer in mine Taschen.&ldquo;</p>
<p>Im Sommer blieb es still, wir waren von Einquartierung verschont. Im Herbste wurde es unruhiger als je. Viele tausend Preu&szlig;en kamen durch unsere Gegend, lauter Fu&szlig;volk. Der Zug eines Regiments dauerte sehr lange, es war gro&szlig; Gew&uuml;hl und Get&uuml;mmel, hinterher viele Packwagen mit Zelten und Stangen. Wir hatten oft bis sp&auml;t Abends zu sehen. Sehr erg&ouml;tzlich waren f&uuml;r uns die gro&szlig;en Wagen mit Truth&uuml;hnern und sonstigem Federvieh; den Thieren bekam die Reise ganz wohl, sie sprangen munter ans Gitter und pickten uns die Brotkrumen aus der Hand. Es sah gar nicht aus, als ob es in Krieg ginge, und alle Welt sagte doch: &bdquo;es geht in den Krieg.&ldquo;</p>
<p>Manches ereignete sich auch was selbst uns Kindern gar zu spa&szlig;haft vorkam. Eines Morgens h&ouml;rten wir pl&ouml;tzlich trommeln. Wir laufen vor die Th&uuml;r. Da kommen mehrere Trommelschl&auml;ger vom Amthofe herab und schlagen den Generalmarsch. Wir fragen sie was das solle? &rsaquo;Nun, sagen sie, uns ist befohlen, jetzt zum Abmarsch zu trommeln.&lsaquo; Wir bedeuteten ihnen, es sei ja am fr&uuml;hen Morgen Alles schon abmarschiert. Sie hingen die Trommeln auf den R&uuml;cken und zogen ihres Weges. Da kommt endlich der alte General hinterdrein geritten; er wundert sich, seine Leute nicht mehr zu sehen. &bdquo;Wo ist mein Regiment hinmarschiert?&ldquo; fragt er und wir ertheilen ihm die n&ouml;thige Auskunft.</p>
<p>Die Durchm&auml;rsche der preu&szlig;ischen Truppen hatten aufgeh&ouml;rt. Bald aber wurde die Stille aufs Neue unterbrochen. Hatten wir bisher nur Soldaten gesehen, die siegesgewi&szlig;, stattlich mit Wehr und Waffen in geordneten Z&uuml;gen kamen und gingen, so sollten wir nun auch Soldaten sehen, die einzeln oder truppweise ohne Gep&auml;ck und Waffen, traurigen Blicks einherzogen und nach kurzer Rast als Fl&uuml;chtlinge weiter eilten.</p>
<p>Es war eines Sonntags (den 19. October) gegen 1 Uhr, wir hatten uns eben zu Tische gesetzt, da sprengten drei preu&szlig;ische C&uuml;rassiere vor unser Haus. Wir eilten vor die Th&uuml;r. Wie erschraken wir, als das erste Wort aus ihrem Munde kam: &rsaquo;es ist Alles verloren!&lsaquo; Wir suchten sie auszufragen, aber sie wu&szlig;ten auf alle unsere Fragen nur immer dasselbe zu erwiedern: &rsaquo;es ist Alles verloren, Alles!&lsaquo; Sie erkundigten sich nach dem Wege, den sie einschlagen wollten, n&auml;her und machten sich bald auf und davon. Wir sahen uns erstaunt an. Mein Vater sch&uuml;ttelte zweifelnd den Kopf, er hielt es f&uuml;r unm&ouml;glich, da&szlig; ein Krieg, dessen Anfang wir ja noch kaum wu&szlig;ten, bereits einen so ungl&uuml;cklichen Ausgang f&uuml;r Preu&szlig;en genommen habe; er konnte an die schreckliche Kunde, die erste vom Kriegsschauplatze, nicht glauben und hielt lieber die drei Reiter f&uuml;r Ausrei&szlig;er, die ihre Feigheit nur h&auml;tten besch&ouml;nigen wollen.</p>
<p>Leider best&auml;tigte sich das Unglaubliche nur zu fr&uuml;h. Schon die n&auml;chsten Tage kam Fu&szlig;volk truppweise, alle niedergeschlagen und im erb&auml;rmlichsten Aufzuge, sie hatten nichts weiter gerettet als das Leben und den Brotbeutel. Sie geh&ouml;rten verschiedenen Heeresabtheilungen an, und wu&szlig;ten nicht woher, wohin. Durch ihren traurigen Anblick und die Erz&auml;hlungen von ihren ausgestandenen Leiden und Strapazen erregten sie allgemein gro&szlig;es Mitleid, sie fanden &uuml;berall Unterst&uuml;tzung. Die Durchz&uuml;ge der Fl&uuml;chtlinge und Versprengten dauerten noch mehrere Tage fort.<br>
Es wurde nun wieder still. Der Krieg ber&uuml;hrte uns nicht weiter unmittelbar.</p>
<p>Der Winter hatte begonnen und wir Kinder gingen zu unseren alten Spielen &uuml;ber. Nach dem Schlusse der Schulstunden eilten wir auf das Eis, wir glanderten oder liefen Schrittschuh, und wenn es Schnee gab, fuhren wir auf dem Handschlitten eine steile Schneebahn hinab, und bei eintretendem Thauwetter schneeb&auml;llten wir uns, machten Schneefestungen oder errichteten gro&szlig;e Schneem&auml;nner auf wegsamen Stra&szlig;en, zuweilen sogar heimlich dicht vor den Hausth&uuml;ren. Da die Arbeiten f&uuml;r die Schule bald gemacht waren, so gew&auml;hrte der lange Abend Zeit genug zum Spielen. Wir machten uns von Kartenbl&auml;ttern Soldaten eigenth&uuml;mlicher Art: das Bl&auml;ttchen wurde der L&auml;nge nach gefaltet und hinten schr&auml;g eingeschnitten, der Einschnitt umgeklappt und mit einer Feder versehen, und der Soldat war fertig. Da in unserm Hause viel kartengespielt wurde, so eigneten wir uns die schlecht gewordenen Spiele zu, unser Heer war immer vollz&auml;hlig.</p>
<p>An zwei Abenden in der Woche kam der Hamburger unparteiische Correspondent. Ich mu&szlig;te dann die Bl&auml;tter vorlesen. Die Stammg&auml;ste sa&szlig;en um den gro&szlig;en Tisch herum, rauchten zu ihrem Glas Bier ihr Pfeifchen und h&ouml;rten aufmerksam zu. Ich las und las in aufgeregter Stimmung, denn die Tagesbegebenheiten hatten auch f&uuml;r mich ein gro&szlig;es Interesse.</p>
<p>Schon in den ersten Tagen des Novembers erfuhren wir N&auml;heres &uuml;ber die ungl&uuml;ckliche Schlacht von Jena und auch von ihren Folgen eine auch f&uuml;r uns h&ouml;chst wichtige: Bertier war wieder in Hannover und erkl&auml;rte am 12. November, da&szlig; er im Namen seines Kaisers das Land in Besitz nehme. Der preu&szlig;ische Adler wurde mit dem franz&ouml;sischen vertauscht. Zwei Tage sp&auml;ter erlag in Ottensen seinen Schmerzen der todtwunde Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, fern von seinem Lande, das gl&uuml;cklich durch ihn und mit ihm gewesen war. So folgten sich rasch hinter einander die gro&szlig;en traurigen Tagesereignisse.</p>
<p>Noch Einmal, ehe das Jahr zu Ende ging, wurden wir daran erinnert, da&szlig; wir in Kriegszeiten lebten. In der Abendd&auml;mmerung hielten zwei Bauerwagen vor unserem Hause still. Mehrere M&auml;nner stiegen ab, sie schienen durchn&auml;&szlig;t und angegriffen von der Reise. Mein Vater hie&szlig; sie freundlich willkommen. Es waren preu&szlig;ische Officiere von der Besatzung Hamelns. Nachdem sie sich umgekleidet und gespeist hatten, wurden sie gespr&auml;chig. Sie sprachen sich alle unumwunden und sittlich entr&uuml;stet aus &uuml;ber die niedertr&auml;chtige Capitulation des Commandanten von Sch&ouml;ler. Es war eine m&auml;nnliche w&uuml;rdige Sprache, die uns mit Achtung f&uuml;r die jungen M&auml;nner erf&uuml;llte und mir unverge&szlig;lich geblieben ist.</p>
<p>Der Ha&szlig; gegen Preu&szlig;en, der im Kurstaate Hannover ein ziemlich allgemeiner gewesen, war jetzt ziemlich verschwunden, das gro&szlig;e Ungl&uuml;ck hatte gro&szlig;e Theilnahme erweckt. Es wurde wieder viel in unserem Hause politisiert; wir h&ouml;rten das Alles mit an und lie&szlig;en unser Spiel ruhen. Wenn man von dem traurigen Ende des Herzogs von Braunschweig sprach, so weinten wir, denn wir hatten nur immer Z&uuml;ge der Liebe und G&uuml;te von ihm vernommen. So oft man auf Bl&uuml;cher&acute;s Niederlage in L&uuml;beck und die dortigen Gr&auml;uel zu sprechen kam, wurden wir &uuml;ber die Franzosen emp&ouml;rt.</p>
<p>Die preu&szlig;ische Ruhmredigkeit war hart gestraft, aber niemand konnte sich denken, da&szlig; ein so m&auml;chtiger Staat so schnell in die tiefste Schmach sinken w&uuml;rde. &rsaquo;Ja, rief dann eine Stimme, es ist mit uns Deutschen vorl&auml;ufig vorbei!&lsaquo; und eine andere meinte dagegen: &rsaquo;la&szlig; nur! die Preu&szlig;en werden die Franzosen ins Land locken und ihnen den Garaus machen.&lsaquo; Leider hatte jene erste Stimme, ich glaube die meines Vaters, Recht: es war vorl&auml;ufig mit uns vorbei, es folgte ein schmachvoller Friede.</p>
<p><em>in: Mein Leben , S. 14 f</em></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/franzosenzeit-mein-leben/">Franzosenzeit (Mein Leben)</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Laubfrosch und die Maibraut</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/der-laubfrosch-und-die-maibraut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 1804 18:06:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/der-laubfrosch-und-die-maibraut/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine der lieblichsten Erinnerungen aus so früher Zeit ist mir das Kinderfest in dem benachbarten Sülfeld. Dorthin zogen am zweiten Pfingsttage die Fallersleber, Alt und Jung, damals noch jedes Jahr. Während die Großen nur an Cafetrinken, Kuchen und Tanz dachten, war zunächst uns Kindern die größte Freude, wenn der Laubfrosch und die Maibraut nach einander ... <a title="Der Laubfrosch und die Maibraut" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/der-laubfrosch-und-die-maibraut/" aria-label="Mehr Informationen über Der Laubfrosch und die Maibraut"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/der-laubfrosch-und-die-maibraut/">Der Laubfrosch und die Maibraut</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine der lieblichsten Erinnerungen aus so fr&uuml;her Zeit ist mir das Kinderfest in dem benachbarten S&uuml;lfeld. Dorthin zogen am zweiten Pfingsttage die Fallersleber, Alt und Jung, damals noch jedes Jahr. W&auml;hrend die Gro&szlig;en nur an Cafetrinken, Kuchen und Tanz dachten, war zun&auml;chst uns Kindern die gr&ouml;&szlig;te Freude, wenn der Laubfrosch und die Maibraut nach einander ihren Aufzug hielten.</p>
<p>Eine Gesellschaft von zw&ouml;lf Knaben, jeder mit einem h&ouml;lzernen S&auml;bel, woran unten bunte B&auml;nder flatterten, kam auf die Scheundiele und bildete einen Kreis; in der Mitte stand der Laubfrosch, so benannt weil er ganz in gr&uuml;ne Zweige eingeh&uuml;llt war. Sowie der Gesang begann, singen alle an um den Laubfrosch herum zu springen und schlugen mit ihren S&auml;beln gegen die W&auml;nde. Das dauerte bis zu der Stelle: Ein Ei, twei Ei etc., dann machten sie alle wie auch der Laubfrosch bei jeder Zahl einen tiefen Diener.</p>
<p>Bei den Worten: Dat sebente is dat Pingestei, sprangen alle wieder wie vorher. Sie sangen:</p>
<p>Guden Dach, guden Dach!<br>
Geben se user L&ocirc;ff&ouml;schje wat<br>
Se hat lange nist ehat Sau geben<br>
se&acute;r wat Sau hat se wat.<br>
Drei halbe Schock Ei,<br>
kein f&ucirc;l Ei<br>
Dat fule Ei sm&icirc;t wi vor de D&ouml;r<br>
oppen Stein entwei<br>
Ein Ei, twei Ei, drei Ei,<br>
veir Ei&nbsp;f&icirc;f Ei, ses Ei<br>
Dat sebente is dat Pingestei<br>
Boben in der V&ouml;ste<br>
Hanget de langen W&ouml;ste<br>
Gebet &uuml;sch de langen<br>
Latet de korten hangen<br>
Bet opt andere J&acirc;r<br>
Dan wilwi de korten nah&acirc;ln</p>
<p>Einen freundlichen Gegensatz zu diesen wilden Burschen bildete die Maibraut. Zw&ouml;lf kleine M&auml;dchen, alle h&uuml;bsch geputzt, freundlichen, bescheidenen Wesens, kamen mit ihrer K&ouml;nigin, die eine Krone von Flittergold und k&uuml;nstlichen Blumen trug, und tanzten wie im Ringelrosenkranze um sie herum und sangen:</p>
<p>Guden Dach, guden Dach!<br>
Gebet user Maibr&ucirc;t wat<br>
Sau hat se wat<br>
Sau lecht jue Heuneken opt J&acirc;r brav wat<br>
Klappe klappe ringelken<br>
H&icirc;r sind de kleinen Kinderkens<br>
L&acirc;t se g&acirc;n, l&acirc;t se st&acirc;n<br>
L&acirc;t se nich tau lange st&acirc;n<br>
Dat se k&ouml;nt&rsquo;n betjen wider g&acirc;n<br>
St&uuml;cke von&acute;n Schinken<br>
K&ouml;nt se brav op drinken<br>
St&uuml;cke von&acute;n Kauken<br>
K&ouml;nt se brav op raupen<br>
St&uuml;cke von&acute;n Luffen<br>
K&ouml;nnt se brav op buffen<br>
St&uuml;cke von&acute;n Kese<br>
K&ouml;nt se lange na l&eacute;ben</p>
<p>Von dem Hauswirth mit Wurst, Semmel, Kuchen von den Fremden mit Geld beschenkt gingen die Laubfrosch- und Maibrautkinder weiter und hielten dann, jede Gesellschaft f&uuml;r sich, einen Abendschmaus. Dies fr&ouml;hliche Kinderfest ist heutiges Tages spurlos verschwunden, wie der Anteich, worin sich einst der S&uuml;rfelder Kirchthurm spiegelte.</p>
<p>Zu Anfange des Sommers suchten wir Erdbeeren und Brombeeren in den W&auml;ldern. Im Herbste holten wir die von den Hecken abgeschnittenen Dornen zusammen, auch das trockene Kartoffelkraut, Halme und Bohnenranken, und z&uuml;ndeten sie an; je dicker der Rausch emporstieg, desto gr&ouml;&szlig;er war unsre Freude. Nebenbei waren wir auch noch sehr empfindungsreich und machten ohne weitere Anweisung uns viele von den Dingen, welche Hermann Wagner in seinem &rsaquo;illustrierten Spielbuch f&uuml;r Knaben&lsaquo; abbildet und beschreibt; wir machten Wind- und Wasserm&uuml;hlen, Klappb&uuml;chsen, Blasr&ouml;hre, Spr&uuml;tzb&uuml;chsen (&bdquo;Strenjen&ldquo;), Schl&uuml;sselb&uuml;chsen, Flitzbogen, Schleudern, Weidenpfeifen, Peterm&auml;nnchen und Schw&auml;rmer.</p>
<p>Als meine Eltern glaubten, da&szlig; es Zeit sei, etwas zu lernen, schickten sie mich zur Frau Dreyer in die Schule. Es dauerte einige Wochen ehe ich ohne Str&auml;uben hinging. Ich weinte jedesmal, und selbst die Tute mit Rosinen, die ich mit auf den Weg bekam, konnte mich nicht umstimmen. Ich mu&szlig;te immer hingef&uuml;hrt werden, allein w&auml;re ich nicht gegangen. Nachdem ich aber mich an die vielen fremden Kinder gew&ouml;hnt und das Abc &uuml;berwunden hatte, war mir die Schule kein Ort der Angst und des Schreckens mehr.</p>
<p><em>in: Mein Leben , Band 1</em></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/der-laubfrosch-und-die-maibraut/">Der Laubfrosch und die Maibraut</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kinderspiele</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/kinderspiele/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jun 1803 17:49:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/kinderspiele/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Sinn und die Liebe für die Natur erwachte sehr früh in mir. Im Garten zwischen Blumen war mein liebster Aufenthalt. Wie freute ich mich, wenn die zarten Pflanzen, die ich selbst gesäet hatte, gediehen und unter meiner Pflege zur Blüthe kamen! Jeden Morgen wurde Heerschau gehalten und wenn eine Blume aufgebrochen war, so ward ... <a title="Kinderspiele" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/kinderspiele/" aria-label="Mehr Informationen über Kinderspiele"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/kinderspiele/">Kinderspiele</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Sinn und die Liebe f&uuml;r die Natur erwachte sehr fr&uuml;h in mir. Im Garten zwischen Blumen war mein liebster Aufenthalt. Wie freute ich mich, wenn die zarten Pflanzen, die ich selbst ges&auml;et hatte, gediehen und unter meiner Pflege zur Bl&uuml;the kamen! Jeden Morgen wurde Heerschau gehalten und wenn eine Blume aufgebrochen war, so ward es sofort den Eltern gemeldet. Wo es anderswo sch&ouml;ne und seltnere Blumen gab, wurde hinspaziert, und wenn ich Samen oder einen Ableger erbetteln konnte, so zog ich begl&uuml;ckt heim.</p>
<p>Besonders prachtvoll war unser langes Tulpen- und Hyacinthenbeet; auch hatten wir einige Jahre die herrlichsten Nelken, sch&ouml;nere an Farben und Gestalt als die jetzigen verk&uuml;nstelten. Als ich unter dem Pfeffer Ricinusk&ouml;rner gefunden hatte, pflanzte ich sie und erlebte die Freude, sie noch im Sommer gro&szlig; aufgeschossen und in Bl&uuml;the stehen zu sehn. Auch Citronenkerne legten wir in T&ouml;pfe und erzielten wenigstens zierliche, wenn auch winzige B&auml;umchen. Wir waren jedenfalls gl&uuml;cklicher damit als bei den fr&uuml;heren Versuchen mit Rosinenkernen.</p>
<p>Aber auch an das N&uuml;tzliche wurde gedacht. Wie meine Gespielen so legte auch ich eine Baumschule an. Bei dem Ueberflu&szlig; an Obst gab es den Winter hindurch Gelegenheit genug Kerne zu sammeln, die dann im Fr&uuml;hjahr ges&auml;et wurden. Auch suchten wir &uuml;berall in G&auml;rten und Baumh&ouml;fen aufgelaufene Obstspr&ouml;&szlig;linge und vermehrten damit unsere Baumschule. Es war eine gro&szlig;e Freude f&uuml;r mich, da&szlig; ich nach einigen Jahren, als ich Student war, eine h&uuml;bsche Anzahl veredelter St&auml;mmchen meinem Vetter verkaufen konnte.</p>
<p>Wie der Garten so wurden bald Haus und Hof, Wiesen und Felder ein unerme&szlig;liches Feld kindlicher Freude und Th&auml;tigkeit. Das Leben im Freien bei nahrhafter Kost hatte mich gekr&auml;ftigt, ich f&uuml;hlte mich meinen Gespielen ebenb&uuml;rtig und konnte mit ihnen Stich halten. Jede Liebhaberei der anderen Kinder wurde meinerseits mitgemacht. Auch ich mu&szlig;te Tauben haben, und bald hatte ich Feldfl&uuml;chter, Trommel- und Pfauentauben, die ich t&auml;glich f&uuml;tterte. Daneben hielt ich mir Kaninchen von verschiedenen Farben, die mir besonders wenn ich sie f&uuml;tterte erg&ouml;tzliche Unterhaltung gew&auml;hrten. Sie hatten aber bald den Stall so unterw&uuml;hlt, da&szlig; ich sie abschaffen mu&szlig;te.</p>
<p>Fast noch mehr Spa&szlig; hatte ich an einem H&auml;schen in einer leeren Tabakstonne. Anfangs mu&szlig;te man ihm die Kohlbl&auml;tter an einem langen Bindfaden hinabreichen; sp&auml;ter als es gr&ouml;&szlig;er wurde, mu&szlig;te der Bindfaden immer k&uuml;rzer werden. Als das H&auml;schen ein Hase geworden, was nun? Da meinte der Vater: &rsaquo;der Hase mu&szlig; auf weidm&auml;nnisch get&ouml;dtet werden.&lsaquo; Die Tonne mit dem Hasen wurde in den Garten gebracht, der Vater stand mit geladener Flinte, den Hahn gespannt, daneben. Da ward die Tonne umgekippt; der Hase sprang hinaus, der Vater scho&szlig; hinterdrein und Leporello suchte das Weite.</p>
<p>Im Winter war au&szlig;er den gew&ouml;hnlichen Kindervergn&uuml;gungen, als Schlittenfahren, Schneeb&auml;llen, Glandern und Schlittschuhlaufen der Vogelfang eine angenehme Unterhaltung. Wir machten uns Sprenkel, worin wir Rothkehlchen, und Kasten von Fliederst&auml;ben, worin wir Meisen fingen. Sobald Schnee lag, spannten wir Fallnetze auf, oder legten einen mit Bindf&auml;den &uuml;berzogenen Tonnenreif voll Schlingen auf den Schnee und bestreuten die Stelle mit Kaff. Die Rothkehlchen und Meisen setzten wir in die Stube, nach einiger Zeit waren sie ziemlich zahm und wurden dann unsere Wintergesellschaft. Die Finken, Goldammern und Sperlinge, welche sich nicht an die Stube gew&ouml;hnen k&ouml;nnen, lie&szlig;en wir fliegen, den letzteren aber, den Spatzen, klebten wir zuvor Hahnenk&auml;mme von rothem Tuch auf den Kopf, wodurch sie ein recht kriegerisches Ansehn bekamen.</p>
<p>Sobald der Schnee verschwunden und die Sonne l&auml;nger und w&auml;rmer wieder schien, eilten wir in die G&auml;rten und Wiesen und suchten Veilchen, Schneegl&ouml;ckchen, Erdrauch und Himmelschl&uuml;ssel, und flogen den ersten Schmetterlingen nach, dem Citronenvogel und der Aurora, denn von den verschiedenen Sammlungen, die wir uns anlegten, war mir die Schmetterlingssammlung die liebste. Nach den Schulstunden war meist der Kirchhof unser Spiel- und Tummelplatz: wir schlugen Ball, liefen bar, spielten haschen, H&auml;selein, Eiserm&auml;nnchen in Eisen, lie&szlig;en den Drachen steigen und den Brummkreisel brummen.</p>
<p class="notes" align="justify">in: Mein Leben, Band 1 , Seite 6 ff</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/kinderspiele/">Kinderspiele</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Krieg kommt nach Fallersleben</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/der-krieg-kommt-nach-fallersleben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 1803 18:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/der-krieg-kommt-nach-fallersleben/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Während dieser meiner friedlichen Zeit des Spielens und Lernens daheim sah es draußen sehr kriegerisch aus. Zu Anfange des Jahres 1803 hatte zwar Frankreich England den Krieg noch nicht erklärt, benahm sich aber schon längst sehr feindselig. Endlich wurde denn auch dem Kurstaat die Pflicht sehr nahe gelegt, sich zu rüsten und zu wehren. Am ... <a title="Der Krieg kommt nach Fallersleben" class="read-more" href="https://von-fallersleben.de/der-krieg-kommt-nach-fallersleben/" aria-label="Mehr Informationen über Der Krieg kommt nach Fallersleben"> =&#62;</a></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/der-krieg-kommt-nach-fallersleben/">Der Krieg kommt nach Fallersleben</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>W&auml;hrend dieser meiner friedlichen Zeit des Spielens und Lernens daheim sah es drau&szlig;en sehr kriegerisch aus. Zu Anfange des Jahres 1803 hatte zwar Frankreich England den Krieg noch nicht erkl&auml;rt, benahm sich aber schon l&auml;ngst sehr feindselig. Endlich wurde denn auch dem Kurstaat die Pflicht sehr nahe gelegt, sich zu r&uuml;sten und zu wehren. Am 16. Mai kam ein Regierungserla&szlig;, jeder Unterthan solle sich zur Vertheidigung und Befreiung des Vaterlandes der Regierung zur Verf&uuml;gung stellen, eine bis dahin in Hannover nie gekannte Ma&szlig;regel.</p>
<p>Es wurden denn auch im Amte Fallersleben sofort Recruten ausgehoben. Wie es dabei herging, wei&szlig; ich nur vom H&ouml;rensagen. Die jungen Bauerkerle wurden Nachts aus ihren Betten geholt und wenn sie nicht willig folgten, mit Gewalt fortgeschleppt. Mein Vater erhielt den Befehl mit dem Amtschreiber von Blum diese gepre&szlig;ten Vaterlandsvertheidiger nach Hannover zu geleiten, ein trauriges Gesch&auml;ft! Nachdem sie auf dem Rathhause eingesperrt und bewirthet und dann theils gutwillig, theils mit Gewalt auf die Wagen gebracht waren, setzte sich der Zug unter dem Geheule der alten Weiber und Br&auml;ute in Bewegung und wurde eine weite Strecke dann von diesen begleitet.</p>
<p>Als sie in der List dicht vor Hannover ankamen, hie&szlig; es denn: &rsaquo;et is te late, g&acirc;n se man wedder na H&ucirc;s, de Herzog fl&uuml;chtet eben tom Dore hen&ucirc;t.&lsaquo; Schnell wie der Blitz sprang Alles von den Wagen herunter und bediente sich der Abwesenheit. Mein Vater aber ging nach Hannover hinein. Es war ihm eine willkommene Gelegenheit, sich die Hauptstadt, die er noch nicht kannte, anzusehen, und er sah sie sich geh&ouml;rig an.</p>
<p>Schon in den letzten Tagen des Mais r&uuml;ckte Mortier von Holland aus ins Hannoversche ein, unterzeichnete den 3. Juni die Convention von Sulingen und hielt den 4. seinen Einzug in Hannover. Der Sulinger Convention folgte die noch schm&auml;hlichere von Artlenburg am 5. Juli. Hannover war in den H&auml;nden der Franzosen, die sich durch das ganze Land vertheilten.</p>
<p>Auch Fallersleben blieb nicht verschont: eine Schwadron reitender Artillerie r&uuml;ckte ein und nahm auf lange Zeit Standquartier. Wir Kinder freuten uns &uuml;ber die sch&ouml;nen Uniformen und rothen Federb&uuml;sche, und zogen &uuml;berall mit, wenn es Uebungen und Paraden gab. Wir konnten uns nur wundern, wenn wir zu Hause h&ouml;rten: &rsaquo;das sind unsere Feinde &ndash; wenn wir sie nur bald wieder los w&auml;ren!&lsaquo; Als mein Bruder sich eines Tages sehr freute, da&szlig; der Trompeter so sch&ouml;n bliese, sagte der alte B&uuml;rgermeister Kr&uuml;ger: &rsaquo;theuere Musik, lieber Herr Vetter, theuere Musik!&lsaquo;<br>
Unsere Feinde betrugen sich recht gut; sie waren leicht zufrieden zu stellen, sobald man ihnen nur freundlich entgegen kam und guten Willen zeigte.</p>
<p>Unter einander waren sie br&uuml;derlich eintr&auml;chtig. Knechtischen Dienstgehorsam und rohe Behandlung von Seiten der Obern nahm man niemals wahr. Wir hatten so oft geh&ouml;rt, wenn ein Junge unartig war: &rsaquo;wart! du sollst dem Kalbfelle folgen!&lsaquo; Das schien uns gar keine Strafe. Freilich hatte man uns fr&uuml;her das Soldatenleben als etwas Schreckliches geschildert: Pr&uuml;gel, Spie&szlig;ruthen, Gef&auml;ngni&szlig; bei Wasser und Commi&szlig;brot. Wir spielten jetzt selbst Soldaten, und wenn einer nicht that was er sollte, so sperrten wir ihn ein: das kam auch bei den Franzosen vor und ging dort eben so lustig ab wie bei uns.</p>
<p>Das Jahr 1804 war angebrochen, eine Aenderung unserer Lage schien in weite Ferne ger&uuml;ckt, vorl&auml;ufig blieb Alles beim Alten. Seit dem 19. Juni war Bernadotte Oberbefehlshaber. Die Lasten blieben dieselben. Im September (1805) schien es sich f&uuml;r uns besser zu gestalten: die Franzosen zogen ab und am 28. October r&uuml;ckten Preu&szlig;en in Hannover ein, die hannoversche Regierung wurde hergestellt. Als aber am 2. December die Schlacht von Austerlitz f&uuml;r Oesterreich verloren ging, da gestaltete sich pl&ouml;tzlich Alles anders.</p>
<p>Einige Wochen nach dem Beginn des neuen Jahres 1806 r&uuml;ckten preu&szlig;ische Truppen unter dem Grafen Schuleuburg-Kehnert in Hannover ein. Der K&ouml;nig von Preu&szlig;en erkl&auml;rte, die franz&ouml;sischen V&ouml;lker w&uuml;rden von nun an das Kurf&uuml;rstenthum r&auml;umen und Preu&szlig;en bis zum Frieden in Verwaltung und Obhut nehmen.</p>
<div id="notes">
<p class="notes" align="justify"><em>in Mein Leben, Band 1 , S. 12 f</em></p>
</div>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/der-krieg-kommt-nach-fallersleben/">Der Krieg kommt nach Fallersleben</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich bin geboren den 2. April 1798 zu Fallersleben</title>
		<link>https://von-fallersleben.de/ich-bin-geboren-den-2-april-1798-zu-fallersleben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Webmaster Fasia Film]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Apr 1798 16:51:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.narrenparlament.de/ich-bin-geboren-den-2-april-1798-zu-fallersleben/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich bin geboren den 2. April 1798 zu Fallersleben, dem Hauptorte des gleichnamigen Amtes im ehemaligen Churfürstenthum Hannover. Mein Vater war Heinrich Wilhelm Hoffmann, Kaufmann und Bürgermeister († 23. April 1819), meine Mutter Dorothea geb. Balthasar († 3. December 1842), sie stammte aus Wittingen. In der Taufe erhielt ich die Namen August Heinrich. Meine Pathen waren Heinrich August Hoffmann, nachheriger Pastor zu Mühlhausen im Waldeckschen und Frau Maria Wolff zu Havelberg. Mein elterliches Haus, jetzt im Besitze meines Schwagers Georg Friedrich Boes, ist noch vorhanden.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/ich-bin-geboren-den-2-april-1798-zu-fallersleben/">Ich bin geboren den 2. April 1798 zu Fallersleben</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin geboren den 2. April 1798 zu Fallersleben, dem Hauptorte des gleichnamigen Amtes im ehemaligen Churf&uuml;rstenthum Hannover. Mein Vater war Heinrich Wilhelm Hoffmann, Kaufmann und B&uuml;rgermeister (&dagger; 23. April 1819), meine Mutter Dorothea geb. Balthasar (&dagger; 3. December 1842), sie stammte aus Wittingen. In der Taufe erhielt ich die Namen August Heinrich. Meine Pathen waren Heinrich August Hoffmann, nachheriger Pastor zu M&uuml;hlhausen im Waldeckschen und Frau Maria Wolff zu Havelberg. Mein elterliches Haus, jetzt im Besitze meines Schwagers Georg Friedrich Boes, ist noch vorhanden.</p>
<figure id="attachment_8065" aria-describedby="caption-attachment-8065" style="width: 250px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-8065 size-medium" src="http://www.von-fallersleben.de/wp-content/uploads/sites/2/2016/08/geburtshaus-260x300.jpg" alt="Geburtshaus Hoffmann von Fallersleben" width="260" height="300" title="Ich bin geboren den 2. April 1798 zu Fallersleben 1"><figcaption id="caption-attachment-8065" class="wp-caption-text">Geburtshaus</figcaption></figure>
<p>Auf dem Querbalken &uuml;ber der Haust&uuml;r steht die Inschrift:</p>
<p>Besser Neiden denn Beklagen<br>
wenn es Gott tut behagen<br>
wer auf Gott traut wird mir geben<br>
was mich dient zum Leben</p>
<p>In meiner fr&uuml;hesten Kindheit war ich k&ouml;rperlich sehr schwach und krankte in Einem fort. Au&szlig;er den damals gew&ouml;hnlichen Kinderkrankheiten, Pocken und Masern, bekam ich auch hinterdrein noch das Friesel. Ich mu&szlig;te viel ausstehen und nahm geduldig ein und that Alles was der Arzt und die Eltern f&uuml;r gut hielten. Ich erinnere mich, da&szlig; ich an einem b&ouml;sartigen Ausschlage &uuml;ber den ganzen K&ouml;rper litt und eine Zeit lang fast blind war, so da&szlig; ich das Tageslicht nicht vertragen konnte und mich gerne in einen dunkelen Gang zwischen zwei Th&uuml;ren einsperren lie&szlig;, aber auch da noch jammerte, wenn der Widerschein der Sonne durch die kleinen Spalten der vorderen Th&uuml;re drang. Eine leichte Reizbarkeit der Nerven habe ich seit dieser Zeit immer behalten, namentlich in den Augen, obschon ich noch heute keine Brille brauche.</p>
<p><span lang="DE">Unter der sorgsamen, oft &auml;ngstlichen Pflege meiner Gro&szlig;mutter, deren Liebling ich war, wuchs ich auf und wurde, wie es bei schw&auml;chlichen Kindern in &auml;hnlichen Verh&auml;ltnissen immer der Fall ist, sehr verzogen, und bald launisch und eigensinnig.</span></p>
<p><span lang="DE">Obschon ich t&auml;glich wenn ich aufwachte und wenn ich Abends zu Bette gegangen war und vor dem Einschlafen mit meiner Gro&szlig;mutter betete, so hatte doch diese Andacht, weil sie gew&ouml;hnlich geworden, keinen Antheil weiter an dem was ich des Tages that und trieb. Mehr wirkte ihr frommer liebevoller Sinn und die Wahrheit in ihren Worten und Werken, wodurch sie mehr als durch ihr Alter bei Jung und Alt sich hoher Ehrfurcht erfreute. Sie verstand es vortrefflich, jedem die Meinung zu sagen. Nur in Bezug auf mich, ihren Liebling, war sie zu nachsichtsvoll, ja zu schwach.</span></p>
<p><span lang="DE">Gegen den Willen der Eltern setzte ich Vieles durch: wenn mir eine Speise zuwider war oder auch nur nicht schmeckte, lie&szlig; ich sie stehen; erhielt ich nichts nach Wunsch, so hungerte ich lieber. Da ereignete es sich denn wol, da&szlig; die Gro&szlig;mama noch sp&auml;t Abends zu mir in die Kammer kam und mir mit einer angenehmen Speise den Hunger zu stillen suchte. Wurden ihr dann dar&uuml;ber Vorw&uuml;rfe gemacht, so wu&szlig;te sie sich zu entschuldigen: &rsaquo;Dem armen Jungen schrumpft ja der Magen zusammen.&lsaquo; Innig dagegen konnte sie sich freuen, wenn ich bei Tische einen guten Appetit entwickelte. Da pflegte sie denn wol zu sagen: &rsaquo;et sch&icirc;nt als ob&rsquo;t dem Jungen smeckt&lsaquo; &ndash; was nachher sprichw&ouml;rtlich bei uns wurde.</span></p>
<p><span lang="DE">Auch in Bezug auf Kleidung war ich eigen und eigensinnig. Es kostete immer gro&szlig;e K&auml;mpfe, ehe ich ein neues Kleidungsst&uuml;ck anlegte, sobald mir die Farbe oder der Schnitt nicht gefiel. Einmal erhielt ich eine Jacke mit drei Reihen dicht an einander gesetzter blanker runder Kn&ouml;pfe. Des Sonntags mu&szlig;te ich die Jacke anziehen. Man glaubte wunder welche Freude man mir damit machen w&uuml;rde. Ich &auml;rgerte mich und weigerte mich, sie anzuziehen &ndash; half nichts. Ich ging den ganzen Tag darin umher und dachte nur an meine Narrenjacke. Alles Auffallende in meinem Aeu&szlig;ern verdro&szlig; mich.</span></p>
<p><span lang="DE">Ich konnte sogar keinen Fleck leiden, keine Dunen, keine F&auml;dchen an meinem Rocke. Wenn wir ausfuhren und ich neben dem Knechte auf dem Bocke sa&szlig; und der Wind &uuml;bers&auml;ete mich mit den Haaren unserer Schecken, so war mir schon dadurch die ganze Fahrt verleidet. So &auml;rgerte ich mich auch, da&szlig; ich wei&szlig;es Haar hatte, weil das den Kindern Anla&szlig; gab, mir nachzurufen: &rsaquo;Wittkopp!&lsaquo;</span></p>
<p><span lang="DE">Wenn ich mit anderen Kindern spielte, so konnte ich es nie vertragen, wenn meinem ein anderer Eigenwille entgegentrat. Dagegen konnte ich allein stundenlang mit mir zufrieden sitzen und spielen. Ich untersuchte gew&ouml;hnlich mein Spielzeug so lange von au&szlig;en und innen, bis es kurz und klein war. Die Spielsachen, die mir im Sommer von der Braunschweiger Messe und die mir zu Weihnachten beschert wurden, erfreuten sich nie einer langen Lebensdauer. Es war nicht eigentlich die Lust am Zerst&ouml;ren, sondern kindische Neugier, wie dies und jenes gemacht war und sich in seinen einzelnen Theilen ausn&auml;hme.</span></p>
<p><span lang="DE">Nicht immer war meine Selbstunterhaltung eine so billige. Eines sch&ouml;nen Morgens sa&szlig; ich mitten in der Stube auf dem gro&szlig;en Homannschen Atlas und ri&szlig; nach und nach die Bilder mit ihren gl&auml;nzenden Farben aus den Ecken, um sie mir n&auml;her zu betrachten. Am Tische sa&szlig; der Herr Pastor Hantelmann von Wettmarshagen bei seinem Cafe, rauchte seiner lange irdene Pfeife und sah mir wohlgef&auml;llig zu, ohne ein Wort zu sagen. Da trat meine Mutter ein: &rsaquo;aber, Herr Pastor, und das haben Sie dem Jungen nicht verboten?&lsaquo; &ndash; &rsaquo;Nun, er hatte ja seine Freude daran.</span></p>
<p><span lang="DE">Von den Erinnerungen aus so fr&uuml;her Zeit ist mir die schmerzlichste der Tod meiner j&uuml;ngsten Schwester (4. Januar 1803). Sie war zwei Jahre &auml;lter als ich und starb an den Pocken. Ich sehe sie noch wie sie in ihrem kleinen Sarge ruhte, das zarte Gesicht durch eine schwarze Pockenbeule entstellt. Dies Bild ist mir mein ganzes Leben hindurch nie wieder verschwunden. Als ich zu dichten anfing, war eins der ersten Gedichte unserer fr&uuml;h geschiedenen Dorothea gewidmet. Von dieser Zeit an ist es mir nie m&ouml;glich gewesen, Leichen zu sehen. Ich wollte mir das Bild des bl&uuml;henden Lebens nicht durch den Tod verk&uuml;mmern lassen. So oft andere Kinder an den Sarg ihrer todten Gespielen mit Blumen und Kr&auml;nzen traten, ging ich trauernd unter den Blumen in unserm Garten umher.</span></p>
<p>in Mein Leben , Band 1</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de/ich-bin-geboren-den-2-april-1798-zu-fallersleben/">Ich bin geboren den 2. April 1798 zu Fallersleben</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://von-fallersleben.de">Hoffmann von Fallersleben</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
